Mit Musik Geld verdienen?

Es gibt wohl kaum ein Thema, das Musikschaffende und Bearbeitende mehr beschäftigt. Dass Musik mit Ihrer Faszination, Ästhetik, Ihrem Variantenreichtum und der Eigenschaft, Menschen emotional zu berühren das Größte im Leben ist, da sind sich immer alle einig.

Welche Musik dagegen „gut“ ist und welche weniger, da wird es bereits ganz schwierig. Wer kann in dieser Szene mit seiner Musik Geld verdienen? Diese Frage wird in allen Musikforen auf und ab diskutiert und setzt Emotionen frei, die mit der positiven sinn-stiftenden Melodiengestaltung so gar nichts mehr zu tun haben. Ich habe Bands gesehen, die sich sobald es „ums Geld“ ging, auflösten, da sie sich nicht einigen konnten, den vermeintlichen zukünftigen Reichtum gerecht aufzuteilen. Andere scheitern bei der korrekten Verteilung der „Rechte“. Wieder andere sind nicht investitionsbereit. Der Musiker begibt sich hierbei schlicht auf unsicheres Terrain, denn Betriebswirtschaft, Jura und Marketing sind oftmals nicht seine Lieblingsthemen. Zu dieser Unsicherheit gesellen sich dann eventuell noch erste Demotivatoren, wenn der online gestellte Song sich doch nicht der erhofften Beliebtheit, geschweige denn der Resonanz von zahlungskräftigen Plattenproduzenten erfreut, und wenn die Erkenntnis reift, dass es Tausenden anderer Musiker ebenso ergeht und halt einfach „mit der Musik heute nichts mehr zu verdienen ist“.

Um es ganz klar zu sagen: Es ist mit Musik Geld zu verdienen, und es wird tagtäglich millionenfach getan. Alleine aus meinem engsten Freundeskreis, der sogenannten Jugendclique, in der sich verständlicherweise alles um Musik drehte, fallen mir spontan sofort 10 Namen ein, die sich heute ausschliesslich vom Bedienen Ihres Instruments ernähren. Eine Akustikcoverband zieht in der Passauer Fussgängerzone an einem Samstag 400€ in 4 Stunden, nicht auszudenken was in München geht. Klar müssen die was können und das Dargebotene muss den Ohren schmeicheln. Aber – es geht, mit Fleiss und guter Leistung ist mit der Musik Geld zu verdienen. Ob es für den Lebensunterhalt reich, hängt auch vom Lebensunterhalt ab. Ob es erfüllt, ist Geschmacksache.

Was nicht geht, zumindest in der Regel nicht, ist, mit unzureichender Leistung und ohne Investition einen Hit zu platzieren und anschliessend neben der Katzenberger auf Malle zu wohnen und von den Tantiemen zu leben.

Problematisch ist hingegen in der Tat das Überangebot durch die fantastischen Möglichkeiten, zuhause Musik aufzunehmen, gepaart mit der sofortigen medialen Bereitstellung durch das Internet. Klingt zwar toll, dass das heute geht, führt aber wie gesagt zu einem extremen Überangebot, das unmöglich „abzuhören“, sowie zu beurteilen ist. Alleine in der Facebook Gruppe „Musiker in München“ werden täglich mehrere Musiktitel, größtenteils mit Videoclip (!), in den unterschiedlichsten Qualitäten zur Begutachtung eingestellt. Wie viele Titel werden bundesweit täglich veröffentlicht? Hunderte? Tausende? Dieser Zustand hat zwei Phänomene zur Folge. Erstens: Das Niveau der Darbietungen sinkt. Zweitens: Der Wert der Darbietungen sinkt und zwar wiederum in zweierlei Hinsicht: Die Wertschätzung der Konsumenten geht gegen Null. Wenn die ersten 10 Sekunden nicht überzeugen, wird der Refrain gar nicht mehr angehört, nahezu kein YouTube-Titel wird bis zum Ende angesehen, oder warum sind die Werbeeinblendungen am Anfang? Schon blöd für den Gitarristen, wenn er das Solo über Monate hinweg entwickelt hat, es bis zur Perfektion geübt und dann im Studio 30 mal eingespielt hat, um die wirklich perfekte Interpretation zu zeigen, es im Song aber erst bei 2’30 beginnt, wo 95% der Hörer bereits dem überübernächsten Titel lauschen. Ausserdem sind die Musikkonsumenten ja ständig unter Zeitdruck denn sie müssen ja jede Menge Neuerscheinungen abarbeiten, immer auf der Suche nach dem, ja was eigentlich? Zu meiner Zeit haben wir sehnsüchtig auf Freitag 18.00, mit dem Finger auf der Record Taste des Kassettenrecorders , nein, man musste Record und Play gleichzeitig drücken, auf die New Entries der Schlager der Woche gewartet, um neue Musik zu hören. Der zweite Wertverlust ist in der Tat der finanzielle Wertverlust. Meine Kinder nehmen belustigt zur Kenntnis, dass wir „früher“ bereit waren, für das Anhören von Musiktiteln Geld zu bezahlen und bedauern die wenigen CD-Käufer im Fachhandel, da die ja scheinbar kein Internet haben.

Genug jetzt der düsteren Gegenwartsanalyse, wenden wir uns der Zukunft zu. Egal wieviele Menschen sich Musik nur am Smartphone anhören – was ich beim besten Willen schon alleine aus klangästhetischen Gründen nicht nachvollziehen kann- , es wird immer Musikliebhaber geben und der Wunsch der Konsumenten, sich durch Musik verzaubern zu lassen, wird immer ungebrochen bleiben. Zudem ist ein starker Retrotrend, sowohl in der Musikproduktion als auch in der Technik und dem Musikgeschmack der nächsten Generation (Stichwort: Akustikbands) auszumachen. Auch die Live Kultur will entgegen vieler Unkenrufe einfach nicht aussterben, Konzerte sind nach wie vor gefragt und das persönliche Erleben von Musik scheinbar ungebrochen wichtig. Sprich: Qualität wird wieder wichtiger als blosse Masse und Blödeleien. Das lässt hoffen.

Fazit: Wer mit der Musik Geld verdienen will, muss sich im Klaren darüber sein, dass er unternehmerisch tätig ist. Das Produkt muss qualitativ überdurchschnittlich sein, das sprichwörtliche Garagendemo reicht heute nicht mehr. Man muss bereit sein, zu investieren, von selber fliegt einem der Durchbruch nicht zu und die Plattenfirmen haben Newcomer den Geldhahn schon lange zugunsten der Topacts abgedreht. Man muss bereit sein, Kompetenzen anderer zu nutzen und sie am Erfolg zu beteiligen. Man wird als Musiker in den seltensten Fällen neben Üben, Komponieren und Arrangieren noch gleichzeitig die Produktion, den Vertrieb und die Tourplanung übernehmen können, es sei denn man vertreibt ausschliesslich in der Passauer Fussgängerzone. Und – nicht zuletzt – das Liedgut muss interessant, bewegend, mitreissend, irgendeine Emotion auslösend sein. Mit der richtigen Zeile zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Dies ist, egal ob dem Künstler in die Wiege gelegt oder gelernt, auf jeden Fall entscheidend. Dazu müsste man fast einen eigenen Blog schreiben – mach ich auch.

Christian Scharinger

7 Kommentare
  1. Recording Freak says:

    Hallo Christian,

    danke für den Artikel. Den werd ich Zukunft alle die bei mir reinkommen in die Hand drücken 😉 Ich denke gerade Musiker haben oft ein Problem damit, sich selbst als Unternehmer zu sehen.

    Lg Mario

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  2. Mick says:

    Durch das Internet hat man als Musiker bessere Chancen entdeckt zu werden als früher. Allerdings ist die Konkurrenz auch viel größer geworden. Ein Freund von mir hat seit zehn Jahren eine Band. Die haben auch schon ein professionelles Album in Eigenregie aufgenommen, tolle Kritiken dazu von hochwertigen Musikzeitschriften und Online-Portalen bekommen, aber keine Plattenfirma interessiert sich für sie. Die Fanbase ist auch klein, weil sie wenig online machen.
    Ein Youtube-Channel mit regelmäßigen Inhalten / Songs ist da das Mindeste! Es gibt viele Plattformen, auf denen man seine Musik verkaufen kann. Noch besser ist ein zentraler Service, der die Musik verteilt. Damit kann man schon viel erreichen. Aber nur auf den Durchbruch zu warten ist da definitiv die schlechtere Variante, auch, wenn man sehr gut ist.

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